Christoph Rüter: „Hans Blumenberg. Der unsichtbare Philosoph“ | 11.02.2020

Filmvorführung im Kino „moviac“ mit Regisseur Christoph Rüter

19 Uhr 30 – Kino „moviac“, Sophienstraße 22 – Eintritt: 9,50€

Hans Blumenberg ist einer der einflussreichsten deutschen Philosophen der Nachkriegszeit. Sein Thema ist der Mensch, der über die Jahrhunderte hinweg um seine Selbstbehauptung gegen den
Absolutismus der Wirklichkeit kämpft. Distanz zum Übermächtigen zu schaffen: diesen Vorgang
nennt Blumenberg das „Abenteuer des Denkens“.

Der Film von Christoph Rüter ist eine Spurensuche quer durch Deutschland. Von Blumenbergs Heimatstadt Lübeck führt der Weg über Münster, Heidelberg, Marbach, Stuttgart, München bis nach Zürich. An allen Orten kommen Zeugen zu Wort, die von Blumenbergs Charakter und seiner großen Präsenz berichten. Aus dem besten Absolventen des Abiturs 1939 in Schleswig-Holstein wird der angefeindete „Halbjude“, der während der NS-Zeit in Lebensgefahr schwebt und sich für einen Monat auf einem Dachboden in Lübeck verstecken muss. Aus ihm wird ein hochanerkannter Philosoph und Essayist, der die Entwicklung des europäischen Denkens in vielseitigen Büchern verständlich macht.

Christoph Rüter, geb. 1957, war 1985–89 Dramaturg an der Freien Volksbühne West-Berlin und hat u.a. mit Thomas Brasch, Hans Neuenfels, Heiner Müller und Bob Wilson zusammengearbeitet. In zahlreichen Filmen porträtiert Rüter große Künstler und Intellektuelle, darunter Ulriche Mühe, Heiner Müller, Jörg Fauser, Klaus Kinski, Ulrich Wildgruber, Ute Lemper.

Nach dem Kinobesuch gibt es Gelegenheit zur Diskussion mit Christoph Rüter im Kaminsaal des
Atlantic-Parkhotels.

Prof. Bernhard Schäfers: Kultur und Zivilisation. Philosophische, historische und soziologische Anmerkungen | 22.01.2019

In der Differenz von Kultur und Zivilisation wurde nach den napoleonischen Kriegen ein Gegensatz zwischen Deutschland und Frankreich gesehen. Vor dem und im Ersten Weltkrieg bekam diese Differenz, nicht zuletzt durch Thomas Manns „Betrachtungen eines Unpolitischen“, martialische Züge.

Norbert Elias hat in seinem großen Buch „Über den Prozess der Zivilisation“ gezeigt, dass das Zivilisatorische immer auch das Kulturelle umfasst und der Prozess der Zivilisation auf jeder Stufe der gesellschaftlichen Entwicklung vor neuen Herausforderungen steht. Deutlich macht er auch, dass dieser Prozess jederzeit in ein neues Stadium der Barbarei umschlagen kann.

Es gibt also viele gute Gründe, über Kultur und Zivilisation unter veränderten Bedingungen, sowohl globaler als auch nationaler Art, neu nachzudenken – auch darüber, warum in der Öffentlichkeit von einer spürbaren Abnahme zivilisatorischer Standards zu sprechen ist.

Bernhard Schäfers, Professor em. der Universität Karlsruhe (TH), leitete deren Institut für Soziologie von 1983-2007. 2012 erschien sein zum Standardwerk gewordenes Buch „Sozialstruktur und sozialer Wandel in Deutschland“ in 9., neu konzipierter Auflage. Im Sommer-Semester 2018 hatte Prof. Schäfers eine Senior-Gastprofessur an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth inne.

Michael Kluth: Im filmischen Dialog mit Günther Uecker | 26.03.2019

Michael Kluth, Filmautor und Filmemacher, begleitet mit seiner Kamera seit über 30 Jahren Günther Uecker, einen der bedeutendsten deutschen Gegenwartskünstler.

Er hat ihn nicht nur in seinem Düsseldorfer Atelier besucht und ihn bei der Arbeit gefilmt, sondern auch bei seinen weltweiten Ausstellungen, zum Beispiel in Vietnam, Japan und Havanna, begleitet. Kluth zieht in seinen Filmen Verbindungslinien vom Atelier in die Öffentlichkeit, vom Künstlerstatement zum kunstwissenschaftlichen Kommentar, von biografischen zu gesellschaftspolitischen, philosophischen Kontexten.

Dr. Michael Kluth studierte Slawistik, Philosophie, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften in Hamburg und Wien. Seit über 40 Jahren arbeitet er als Autor von Filmen für ARD, ZDF und arte. 2016 entstand der Film „Günther Uecker – Huldigung an Hafez“. In diesem beeindruckenden Film setzt sich Uecker mit dem wohl bedeutendsten persischen Dichter auseinander und überträgt die poetische Sprache der Verse von Hafez in eigene, von Farbe und Rhythmen geprägte Bilder. 2018 erschien das Buch „Günther Uecker. Poesie der Destruktion. Im Dialog mit Michael Kluth 1988 – 2016“.

Volker Meid: Was ist des Teutschen Vaterland? Eine kleine Geschichte der Deutschlandgedichte | 14.05.2019

Lange bevor Deutschland als politische oder nationale Einheit überhaupt gedacht werden konnte, gab es bereits ein dichterisches Sprechen über „unser lant“. Was ist des „Teutschen Vaterland?“ Die Frage ist nicht neu, die Antwort war nie einfach. Außerdem: Welches Deutschland war gemeint neben einer geographischen Definition oder der staatlichen Organisation? Und vor allem: Was war und ist „Deutsch“?

Selbstverständlich kennt auch die politische Lyrik nicht die eine Antwort, sondern nur Antworten. Aber in ihnen spiegelt sich – ironisch, satirisch, aggressiv oder reflektierend – die Geschichte eines Landes, das dann als ‚verspätete Nation‘ wesentlich zu den Katastrophen des 20. Jahrhunderts beitrug. Die in den Deutschlandgedichten registrierten und von Professor Volker Meid in die historischen Zusammenhänge gestellten Erfahrungen können den Blick auf die aktuellen Entwicklungen schärfen auf die rechtsextremen Auswüchse und die geschichtsvergessenen Debatten über eine deutsche ‚Leitkultur‘ oder ‚Identität‘.

Volker Meid arbeitet, nach einer Professur für Neuere deutsche Literatur an der University of Massachusetts, als freier wissenschaftlicher Autor und veröffentlichte zuletzt u. a.: Hear, Germany! Kleine Geschichte der Deutschlandgedichte (2019), Der Dreißigjährige Krieg in der deutschen Barockliteratur (2017).