Gunter Gebauer: Vom Sog der Massen und der neuen Macht der Einzelnen | 15.10.2019

Bis zum ausgehenden 20. Jahrhundert waren die Massen ein beherrschendes Thema der Politik und Gesellschaft Europas. Die Zeiten, als Massen mobilisiert wurden, sich auf Straßen versammelten und mit Macht historische Veränderungen erzwangen, scheinen endgültig vorbei zu sein. Im Zeitalter des Individualismus haben sie scheinbar ihre Anziehungskraft und Gefährlichkeit verloren.

Ein Irrtum! Von Neuem bewegen Massen große Teile der Gesellschaft. Sie entstehen mithilfe moderner Medien in der Popkultur, in Sport und Konsum, in Protestbewegungen und Revolten, in neuen politischen Formationen und in Flüchtlingsströmen.

Im Unterschied zu den Massen der Vergangenheit bieten sie den Individuen die Möglichkeit, sich eine imaginäre Größe, ihren Äußerungen und Schicksalen eine Öffentlichkeit zu geben.

Prof. Dr. Gunter Gebauer, geb. 1944, ist Professor em. für Philosophie des Sports an der Freien Universität Berlin. Er war u.a. Präsident der Philosophical Society for the Study of Sports und Sprecher des Interdisziplinären Zentrums für Anthropologie. Er übte Gastprofessuren in Paris, Straßburg und Hiroshima aus. Zuletzt erschienen: 2016 Das Leben in 90 Minuten. Eine Philosophie des Fußballs. 2019 Vom Sog der Massen und der neuen Macht der Einzelnen.

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